Familie ausgelöscht – wegen «Gotteslästerung» Drucken
Verfolgte Christen
Geschrieben von: Admin   
Samstag, 24. Juli 2010 um 15:47
Wegen angeblicher «Blasphemie» hat in Pakistan ein moslemischer eine christliche Mutter und ihre vier Kinder ermordet. Der Ehemann und Vater sucht bisher vergeblich nach Gerechtigkeit. Ihm hilft auch nicht, dass er selbst Polizist ist.

Jamshed Masih war vor kurzem mit seiner Frau Razia und ihren vier Kindern, zwei Mädchen und zwei Jungen, in den Ortsteil Mustafa Colony in der Ortschaft Jhelum gezogen und wohnte dort zur Miete. Kurz danach wurde er von dem religiösen Führer Maulana Mahfuz Khan aufgefordert, den Ort zu verlassen.

«In dieser Kolonie hat noch niemals ein Nicht-Moslem wohnen dürfen; wir wollen in unserem Ort keinen Abschaum», geiferte Khan. Nachbarn hatten einen schlechten Einfluss auf ihre Kinder befürchtet, berichtet das Hilfswerk «Open Doors».

Verhängnisvoller Einkauf
Razia Masih hatte ihren elfjährigen Sohn, den Ältesten, zu einem Laden geschickt, um ein Waschmittel zu kaufen. Ihr Mann war schon zur Arbeit gegangen. Nachbarn hörten, wie der Ladenbesitzer den Jungen fragte, ob er ein Christ sei. Als der Junge bejahte, wies ihn der Ladeninhaber mit den Worten zurück: «Ich verkaufe nicht an Nicht-Moslems. Wag es ja nicht, noch einmal meinen Laden zu betreten.»

Später wurde der Junge beschuldigt, den «Propheten Mohammed» gelästert zu haben, daher dürfe er nicht am Leben bleiben. Als Razia Masih die Anschuldigung zurückwies, wurde Khan wütend und sagte: «Beschuldigst du uns der Lüge? Wie wagst du es, uns zu beleidigen?»

Razia Masih wurde aus der Menge heraus auf den Kopf geschlagen und blutete stark. Sie bat die Menge um Erbarmen, doch es war zu spät. Während eine ihrer Töchter noch telefonisch versuchte, Hilfe herbeizuholen, brachte der Mob Razia Masih und ihre vier Kinder um. Als Jamshed Masih und die Polizei am Haus ankamen, fanden sie nur noch die Toten vor.

Weisungen von höherer Stelle
Masih versuchte, eine Anzeige wegen Mordes gegen Khan einzureichen. Der Revierleiter, Ramzan Mumtaz, weigerte sich aber, diese Anzeige aufzunehmen und einen für das Verfahren erforderlichen polizeilichen Erstbericht auszufertigen. Er sagte, er sei selber nur ein armer Mann mit Familie und werde von höherer Stelle unter Druck gesetzt.

«Es tut mir sehr leid, mir sind die Hände gebunden!» Jamshed Masih hat beim Ministerpräsidenten der Provinz Punjab Beschwerde eingelegt und bittet ihn um Gerechtigkeit.

Zwei Pastoren erschossen
Diese neuerlichen Morde sind leider kein Einzelfall. Am 19. Juli wurden in Faisalabad die beiden Pastoren Rashid Emmanuel und Sajad Emmanuel erschossen. Sie waren wegen angeblicher Blasphemie angeklagt worden, berichtet die Anwaltsfirma CLAAS, die sich für unterdrückte Minderheiten Pakistans einsetzt. Vor einer Anhörung wurden die beiden vor dem Gerichtsgebäude von vier Bewaffneten niedergeschossen.

In den Tagen zuvor hatten sich Mobs zusammengerottet, lautstark die Todesstrafe gefordert, Reifen verbrannt und Steine gegen die katholische Kirche geworfen. Zudem wurde versucht, das Gotteshaus in Brand zu setzen. Gewarnt durch ähnliche Übergriffen im letzten Jahr, als in Korian und Gojra sieben Christen ermordet wurden, informierten die Gläubigen umgehend die Polizei. Als diese auftauchte, sprach der Mob von einem «friedlichen Protest» und löste sich auf.

Dennoch wurde am folgenden Tag über die Lautsprecher mehrere Moscheen gegen die christliche Gemeinschaft gehetzt, worauf sich erneut ein Mob bildete, der den Tod der beiden Pastoren forderte.

Anklagen wegen Blasphemie sind inflationär geworden. Die Anschuldigung selbst reicht schon aus für eine Verurteilung. Vor allem die unteren Gerichte können es sich kaum erlauben, die Beweise zu prüfen, geschweige denn, einen Freispruch zu verordnen. Der lynchwütiger Mob würde dies nicht tolerieren.

Autor: Daniel Gerber
Quelle: Livenet / Open Doors
Datum: 24.07.2010