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Falls die schwere Verfolgung kein Ende nimmt und grundlegende Menschenrechte nicht eingehalten werden, sind die Christen im Irak vom Aussterben bedroht. Diesen Eindruck gewann John Eibner, Mitarbeiter von Christian Solidarity International, am 26. Juni an einer Konferenz im Nordirak.
76 führende irakische Christen aus verschiedenen Kirchen, Vertreter von andern Minderheiten und politischen Parteien trafen sich in der Kleinstadt Kara Kosh (Hamdaniya) in der Nähe von Mosul. Sie forderten Verfassungsgarantien, welche die Rechte von Minderheiten stärken, Sicherheit für bedrohte Minderheiten garantieren sowie einen friedlichen Dialog zwischen religiösen und ethnischen Gruppen ermöglichen (siehe unten). Einsichtiger Gouverneur Athil Al-Najifi, Gouverneur der Provinz Ninive, Schirmherr der Konferenz, sagte, dass die Einmischung des Auslandes und der Missbrauch von Minderheiten in der Provinz sich ihrem Ende näherten. Er erklärte sich dazu bereit, einen Mechanismus zu entwickeln, um die Rechte von Minderheiten zu sichern. Dieser würde alle Gruppen der Zivilgesellschaft mit einschliessen. Nicht genug getan Laut William Warda, Präsident der Menschenrechtsorganisation Hammurabi, handeln weder die irakische noch die amerikanische Regierung mit genügend Tatkraft oder Voraussicht, um der schweren Verfolgung irakischer Christen ein Ende zu bereiten und Bedingungen für die Rückkehr von Flüchtlingen zu schaffen. Louis Sako, der chaldäisch-katholische Erzbischof von Kirkuk, bat die Christen dringend, den Irak nicht zu verlassen. Sie erfüllten im Land eine wichtige Aufgabe. Im Schatten der Islamisten Einst lebte im Zweistromland eine mehrheitlich christliche Bevölkerung. Nach dem Vordringen des Islams im 7. Jahrhundert ging ihr Anteil rapide zurück; Bagdad wurde Sitz des Kalifen. In den 1980er-Jahren waren noch 15 Prozent der Menschen im Irak Christen. Mit dem Sturz des Regimes von Saddam Hussein verschlechterte sich ihre Situation dramatisch. Weit über 1,5 Millionen flüchteten in den vergangenen Jahren. Sie stellen heute nur noch 2-4 Prozent der Bevölkerung, doch 40 Prozent aller Flüchtlinge aus dem Irak sind Christen. Protest mit vereinter Stimme Im Dezember 2009 hatte die Menschenrechtsbewegung Christian Solidarity International (CSI) in Bagdad eine Konferenz organisiert, an der Vertreter der wichtigsten christlichen Kirchen, Regierungsvertreter und Menschenrechtsaktivisten nach Lösungen suchten. Laut William Warda schuf diese Konferenz erst die Voraussetzungen dafür, dass die Christen verschiedener Konfessionen am 28. Februar 2010 gemeinsam auf die Strasse gingen, um gegen die anhaltenden Morde und den islamistischen Terror in Mosul zu protestieren. Sie forderten, dass die irakische Regierung ihre Verantwortung wahrnehmen und für die Sicherheit der Christen im Irak sorgen müsse. *** Forderungen der Konferenz vom 26. Juni 2010 in Kara Kosh (Hamdaniya) - Verfassungsrevisionen, welche die Rechte von Minderheiten stärken sowie Massnahmen auf Gesetzesebene, damit die Verfassungsgarantien auch umgesetzt werden; - genügend finanzierte und gut durchdachte Programme mit dem Ziel, die freiwillige Rückkehr von Flüchtlingen zu erleichtern; - eine Nationale Minderheitenkommission mit dem Ziel, den friedlichen Dialog zwischen religiösen und ethnischen Gruppen zu fördern; - eine Universität in der Provinz Ninive; - Sicherheit für bedrohte Minderheitsgemeinschaften; - die Erfüllung der Verpflichtung seitens des Irak, internationale Menschenrechtsvereinbarungen zu respektieren; - die vermehrte Vertretung von Christen in den Parlamenten auf nationaler Ebene und auf der Ebene der einzelnen Provinzen; und - vermehrte Investitionen zum Aufbau der Infrastruktur von bisher marginalisierten Gebieten, in denen vor allem Minderheiten wohnen. Quelle: Livenet / CSI Datum: 03.07.2010
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