Kommentar: Zurückhaltung kann Beihilfe zum Mord sein PDF Drucken E-Mail
Verfolgte Christen
Geschrieben von: Admin   
Montag, 11. Januar 2010 um 19:29
Verfolgungen wegen des Glaubens nehmen weltweit dramatisch zu und haben einen historischen Höchststand erreicht. 80 Prozent aller weltweit religiös Verfolgten sind Christen. Das Thema Christenverfolgung spielt jedoch in unserer Gesellschaft nur eine untergeordnete Rolle.

Es ist die besonders tragische Situation der Christen im Nahen Osten: Stets werden sie im Zusammenhang mit dem Westen gesehen, doch der Westen nimmt sie kaum wahr. Und es gibt keinen Staat, der sich für die bedrängten Christen wirklich verantwortlich fühlt.

Mit dem Zerfall des Kommunismus ging die ideologisch motivierte Verfolgung und Diskriminierung von Christen in vielen Staaten des ehemaligen Ostblocks zu Ende. Die Praxis der Religionspolitik in kommunistischen Ländern wie China, Nordkorea, Vietnam und Kuba ist jedoch nach wie vor vom Verständnis der Religion als „Opium fürs Volk" geprägt.

Parallel zum Rückgang der kommunistisch motivierten Verfolgung von Christen ist in den letzten Jahren jedoch ein Anwachsen von Diskriminierung und Verfolgung in einer Reihe islamisch geprägter Länder zu beobachten. Oft wird dabei Gewalt gegen christliche Minderheiten staatlich unterstützt oder stillschweigend toleriert.

In der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte heisst es: „Alle haben das Recht auf Gedanken-, Gewissens-, und Religionsfreiheit; dieses Recht umfasst die Freiheit, seine Religion oder seine Weltanschauung zu wechseln sowie die Freiheit, seine Religion oder Weltanschauung allein oder in Gemeinschaft mit anderen, öffentlich oder privat durch Unterricht, Ausübung, Gottesdienst und Beachtung religiöser Bräuche zu bekunden" (Artikel 18).

Wenn diese Worte nicht nur ein Papiertiger sind, dann müssen die Menschenrechte auch für Christen so offensiv eingeklagt werden wie zum Beispiel für die Häftlinge in Guantanamo. Zurückhaltung ist nicht nur unterlassene Hilfeleistung, sondern oft Beihilfe zum Mord. Der Einsatz für Religionsfreiheit muss zu einer Kernaufgabe der Politik werden.

Wie handelt die Schweiz? Heiner Studer reichte seinerzeit eine Interpellation „Verfolgung von Christen in aller Welt" ein. Die Antwort des Bundesrates enthält viel Logisches, aber auch Passagen, die mir sauer aufstossen wie: „Die Massnahmen der Schweiz zugunsten verfolgter Christen in aller Welt ist Teil der Menschenrechtspolitik, welche, um glaubwürdig und effizient zu sein, unparteiisch, neutral und universell sein muss. Deshalb will die Schweiz, obwohl sie ein Land mit vom Christentum geprägter Tradition und Ethik ist, in ihrer Aussenpolitik nicht speziell die Rechte der Christinnen und Christen in der Welt fördern..."

So weicht man der Verantwortung aus. Regierungsvertreter sollten bei Auslandsreisen deutlicher Stellung beziehen, beispielsweise durch Kirchenbesuche oder offiziell in den Besuchskalender aufgenommene Treffen mit Angehörigen von betroffenen christlichen Gemeinden. Damit könnte man Solidarität demonstrieren. Meistens werden jedoch im Sog solcher Staatsbesuche wirtschaftliche Interessen vertreten und keine Menschen. Man will sich doch nicht die Geschäfte durch verfolgte Christen verderben lassen.

Ausserdem sollten wirtschaftliche, finanzielle und politische Unterstützung von solchen Ländern stärker von der Situation der Menschenrechte von Christen in dem jeweiligen Land abhängig gemacht werden. Es wäre die Pflicht von Regierenden, am Schicksal der Opfer Anteil zu nehmen und aktiv auf die Menschenrechte zu pochen.

Autor: Bruno Graber
Quelle: Livenet.ch
Datum: 09.01.2010